Zu Hause bei Maria Barfod

Musik und Mode pflegen eine gefühlvolle und innige Beziehung zueinander, die weit zurück in die Kulturgeschichte reicht. Die dänische DJane Maria Barfod ist der lebende Inbegriff dieser Verbindung – verbrachte sie schließlich die letzten 20 Jahre in diesem Nexus.

 

Wenn sie ihre schöne Wohnung im Zentrum von Kopenhagen nicht gerade dagegen eintauscht, um ihrem Mann, dem Musiker Tomas Barfod, auf seiner Tournee zu folgen, stellt sie ausgesuchte Sets für Modeschauen zusammen und tritt bei exklusiven Veranstaltungen als DJane auf. Und das obwohl sie im Laufe der vergangenen Jahre gelernt hatte, nein zu sagen. Wir trafen uns mit Maria an einem ruhigen Morgen in ihrem Zuhause und sprachen darüber, wie man die richtige Balance findet und was passiert, wenn man den eingeschlagenen Karriereweg genau dann ändern muss, wenn man es am wenigsten möchte.

 

ALS TÄNZERIN IN TABELLEN GEFANGEN

Maria wusste schon sehr früh, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Mit sechs Jahren hatte sie entschieden, von ihrem Tanz leben zu wollen, und mit 14 landete sie ihren ersten bezahlten Gig. Von da an pendelte sie zwischen Schule und dem Tanzstudio, tourte mit Musikern und tanzte in ihren Videos. Doch kurz nachdem sie ihre Traumrolle als Tänzerin in Der Nussknacker bekommen hatte, kam es in der Karriere zu einem abrupten Stillstand: Eine chronische Tenosynovitis in beiden Beinen zwang sie dazu, mit dem Tanzen aufzuhören.

Aber wie es zu sein pflegt, wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich unerwartet eine andere. Und bald nachdem das Tanzen sein Ende fand, war Maria für den – zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbaren – Durchbruch des Modelabels Acne Jeans in Dänemark verantwortlich. Ihr Freund und Chef Martin Gjesing weihte sie in die Modebranche ein und es dauerte nicht lange, bis sie den Dreh heraushatte. Doch als sie vier Jahre später über die 60 Menschen unter ihrer Verantwortung hinausblickte, erkannte Maria, dass E-Mails und Tabellen nicht zu dem gehörten, mit dem sie sich für den Rest ihres Lebens befassen wollte. Und so beschloss sie mit dem Songtext des Hits „Time to Pretend“ von MGMT im Ohr, den Job aufzugeben und ihrem Herzen zu folgen, um einer Karriere in der Musik nachzugehen.

“Es ist wichtig für mich, eine stetige Basis zu haben.
Dabei spielt es keine Rolle,
ob diese Basis sich in Kopenhagen
oder überhaupt in Dänemark befindet,
doch aus dem Reisekoffer
könnte ich niemals leben.”

 

JAZZ AM MORGEN UND TECHNO AM ABEND

Und so sollte es werden. Nachdem sie das DJing ein paar Jahre als Nebengeschäft betrieben hatte, während sie ein umfangreiches Netzwerk in der Modebranche aufbaute, kombinierte sie ihre Liebe zur Musik und zur Kleidung im Rahmen einer Doppelkarriere: As DJane und Stylistin. „Mir gefällt der praktische Ansatz zur Mode, den ich als Stylistin erlebte. Ich war begeistert von der Möglichkeit, über die Kleidung Geschichten zu erzählen“, sagt Maria.”

 

Bald darauf liefen beide Karrieren wie am Schnürchen, das Paar zog nach L.A. und sie hatte mehr als genug Kunden – sowohl als Stylistin und als DJane – eigentlich viel zu viele. „Ich arbeitete bis zur Erschöpfung und landete in einer Depression“, sagt sie und blickt zurück: „Damals hätte ich alles getan, um diesem Zustand zu entgehen. Doch wenn ich heute zurückdenke, schätze ich diese Erfahrung, weil ich dadurch gezwungen war, über mein Leben zu reflektieren und darüber, was ich damit anfangen wollte. Im Grunde musste ich mich für Mode oder Musik entscheiden, doch ich konnte die Musik einfach nicht lassen.“

 
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EIN LEBEN VOLLER KONTRASTE

Maria lernt, nein zu sagen und auf ihre innere Stimme zu hören, um nur das auszuwählen, was ihr wirklich wichtig ist. Den Rest lässt sie bleiben. Dennoch nimmt sie sich einiges vor, und obwohl sie eigentlich nur bei der Musik bleiben wollte, ist die Mode nach wie vor ein Thema. „Womöglich bin ich ein kontrastreicher Mensch – ich brauche beide Welten: die ruhigen Tage zu Hause in meinem Büro, aber auch die Nächte in Clubs und das Musikspielen auf Partys. Ich bin aber kein Zwischending, sondern lebe in Extremen,“ stellt Maria fest. „Ich lerne, die Balance zu finden, und ich könnte abends nicht außer Haus gehen, wenn ich tagsüber nicht zur Ruhe kommen würde.“

 

 

 

AN DAS ZUHAUSE GEBUNDEN

Folgt man Maria auf Instagram oder hört sie über ihr Leben und ihre Arbeit reden, entsteht leicht der Eindruck, dass die Barfod-Familie den größten Teil ihres Lebens außer Haus verbringt – sei es in Clubs, auf Partys oder auf Reisen. Doch dahinter steckt noch etwas ganz anderes.

„Wir sind sehr viel zu Hause. Natürlich gibt es Zeiten, zu denen wir auf Reisen sind oder mein Mann auf Tournee ist, doch dazwischen sind wir, würde ich sagen, mehr zu Hause als anderswo. Um abends unter Leuten sein zu können, brauche ich Zeit für mich selbst. Ich habe mein Büro nach Hause verlegt und schätze diese Tage wirklich sehr, an denen ich mit niemandem spreche, nachdem ich die Kinder zur Schule gebracht habe,“ erzählt sie und führt weiter aus:

„Als Scheidungskind ist es wichtig für mich, eine stetige Basis zu haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Basis sich in Kopenhagen oder überhaupt in Dänemark befindet, doch aus dem Reisekoffer könnte ich niemals leben.“

Maria lacht, als sie sich selbst ein wenig als „Einzelgängerin“ beschreibt, doch dass sie sich Zeit für sich selbst nimmt, rührt von einem konstanten Bedürfnis nach Ruhe her: „Ich habe die ganze Zeit über so viele Dinge in meinem Kopf, dass ich damit nicht umgehen könnte, wenn ich ständig unter Menschen wäre. Früher dachte ich immer, ich würde keine anderen Leute mögen, doch mit der Zeit merkte ich, dass ich einfach nur Ruhe benötige”

 

 

 

„Die Dinge müssen einem höheren Zweck dienen, und wenn es ungewöhnlicherweise einmal dazu kommt, dass wir etwas Neues kaufen, dann machen wir uns dazu eine Menge Gedanken und stellen
Überlegungen an.”

 

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Ihr Zuhause besteht aus einer charmanten und lässigen Mischung aus Dekorationen, Kunst und Möbeln, die alle Zeugnis für die Schaffenskraft des kreativen Paares sind. Und auch wenn alles gut durchdacht scheint, sind die Dinge doch eher zufällig dort, wo sie sind: Entweder sind es Geschenke oder Sachen, auf die man durch Zufall gestoßen ist. Maria hegt und pflegt ihr Heim, doch über Trends und It-Pieces einen Schein zu wahren, gehörte noch nie zu ihren Vorhaben.

„Die Dinge müssen einem höheren Zweck dienen, und wenn es ungewöhnlicherweise einmal dazu kommt, dass wir etwas Neues kaufen, dann machen wir uns dazu eine Menge Gedanken und stellen Überlegungen an. Außerdem haben wir eine Regel, die besagt, dass etwas weg muss, sobald etwas Neues hereingekommen ist. Daher gibt es bei unseren Sachen eine konstante Fluktuation – das gilt auch für Kleidungsstücke.”

Je besser sie sich von Tag zu Tag kennenlernt und die richtige Balance findet, desto weniger sucht sie ihr Glück in materiellen Dingen. Marias Zukunftsträume handeln von Gefühlen und Idealen.

„Ich träumte nie von einem großen Haus oder war auf der Suche nach materiellen Freuden. Aber ich habe immer von einer Familie geträumt und davon, ein guter Mensch zu sein. Wenn ich das erreicht habe, habe ich alles, was ich brauche.“

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FÜNF KURZINFOS

Lieblingskünstler?
Monica Kim Garza. Sie berührt mich jedes Mal. Die Art, wie sie Frauen in ihrer Kunst betrachtet und einfängt, ist fantastisch. Ich fühle mich in ihren Werken verkörpert und denke, dass es auch vielen anderen Menschen so geht.

Bevorzugte kulturelle Aktivität?
Ich kann nicht nur eine nennen – ich lebe und atme von und für die Kunst und die Kultur. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich in Kunstausstellungen und bei Vernissagen. Es ist so inspirierend, diese Kombinationen aus Farbe und Ausdruck zu betrachten. Es stimuliert die Reflexionen über das Leben. Ich habe viele Freunde, die schreiben, doch ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zum Lesen. Aber ich höre mir sehr oft Hörbücher an.

Ausgehen oder Freunde zum Abendessen einladen?
Wir gehen immer aus. Ich mag es nicht, wenn die Dinge durcheinander geraten. Und ein lustiger Abend mit Freunden ist so viel einfacher, wenn man nicht darauf achten muss, ob die Kinder aufwachen.

Lieblingsmusik?
Zu Hause Jazz, in den Clubs Techno. Für Techno braucht es ja die richtigen Lautsprecher.

Lieblingsfarbe?
Ich konnte mich noch nie für nur eine entscheiden, weil es von der Umgebung, der Stimmung und vom Zusammenhang abhängt. Aber so viel kann ich sagen: Ich würde niemals Marineblau tragen.