Das Zuhause von Kethevane Cellard

Kethevane Cellard ist eine Pariser Künstlerin, die für ihre naturalistischen Zeichnungen und Holzskulpturen bekannt ist, die sie in ihrem charakteristischen Zuhause in Arcueil anfertigt.

 

Im Pariser Vorort Arcueil gibt es ein Haus, das ursprünglich – als es vor über einem Jahrhundert gebaut wurde – als Holzwerkstatt gedacht war. Heute sind in diesem Haus im industriellen Loftstil mit Sichtbackstein, großen Dachfenstern und Stahlträgern die Künstlerin Kethevane Cellard und ihr Gatte Matthew sowie deren zwei Söhne und zwei Katzen zu Hause.

 

 

 

 

Nach unserem Besuch bei Kethevane Cellard sind wir der Ansicht, dass man zuerst ihre Kunst verstehen muss, um dieses einzigartige Zuhause zu begreifen. Diese beiden Elemente sind zweifellos miteinander verbunden, wobei der Weg zum künstlerischen Ausdruck von Kethevane nicht einfach war. Nach ihrem Abschluss an der Kunsthochschule arbeitete Kethevane fast 15 Jahre lang als Grafikdesignerin und versuchte währenddessen, zu ihrem künstlerischen Ausdruck zu finden: „Ich habe jahrelang gezeichnet und gemalt, aber irgendwie war ich mit den Ergebnissen nie zufrieden. Das war sehr frustrierend. Im Jahr 2015 begann ich zum Vergnügen mit dem Holzschnitzen und war sofort davon angetan. In meiner Fantasie machte es klick und ich begann, Formen zu skizzieren, die ich verwirklichen wollte".

 

Das Mantra von Kethevane ist die Entschleunigung, die auch ihr künstlerisches Schaffen beeinflusst. Für Kethevane geht es in der Kunst darum, sich Zeit zu nehmen und die richtige Herangehensweise zu finden: „Wenn ich nach Formen suche, muss ich eine positive Einstellung haben – ich kann also nicht kreativ werden, wenn ich kritisch gestimmt bin. Eine solche Stimmung eignet sich womöglich für hitzige Debatten mit Freunden bei einem Glas Wein – aber nicht für die Kunst.“ Kethevane erklärt, dass ihre Inspirationen aus der, wie sie es nennt, „echten Welt“ stammen. Ihre Formen entstehen, wenn sie verschiedene Tendenzen, Werte und Sehnsüchte miteinander in Einklang bringt: „Ich lese oder höre Bücher, Artikel oder Podcasts zu einer Vielzahl von Themen wie Geschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. Ich finde, dass wir noch so viel von Pflanzen, Tieren und Pilzen lernen können. Und so gibt es in meiner Vorstellung eine Fülle an unentdeckten Unterwasserkreaturen und farbenprächtigen Insekten. Ich interessiere mich auch sehr für die Geschichte der Menschheit und zehre von der Lebendigkeit prähistorischer Kunst und Werkzeugformen.“

 

 

Wie so viele Dinge ist auch die Kunst nicht unkompliziert, und Kethevane erklärt, dass es Tage gibt, an denen die Inspiration weit weg scheint. Wenn sie jedoch beim Lesen und beim Notieren, Skizzieren und Zeichnen in ihrem Notizbuch vertieft ist, kommen ihr schließlich Ideen. In ihrem Arbeitszimmer, das gleichzeitig das Wohnzimmer ist, hängt eine große Pinnwand. Um die nächsten Schritte und die gewünschten Formen zu visualisieren, heftet Kethevane alles an diese Pinnwand. Sobald feststeht, woran sie weiterarbeiten will, beginnt Kethevane, ihre neuen Formen in aller Ruhe mit Füllfeder zu entwerfen oder sie sorgfältig mit Hohlmeißeln in Holz zu schnitzen.

Da Kethevane einen Großteil ihrer Kindheit in Frankreich auf dem Land verbracht hat, ist es für sie wichtig, von Pflanzen und Grün umgeben zu sein. Nach einer dreijährigen Suche fand ihre Familie im Pariser Vorort Arcueil schließlich die Ruhe, nach der sie gesucht hatte: „Man vergisst fast, dass man in der Stadt ist, obwohl man mit der Metro nur 15 Minuten vom Pariser Zentrum entfernt ist. Unser Haus liegt abseits von der Straße in der Mitte eines Häuserblocks, und im Laufe der Jahre haben wir zahlreiche Pflanzen, Weinstöcke und einige Bäume angebaut. Jetzt haben wir im Garten viele Vögel und Insekten sowie einen Teich, in dem über drei Dutzend Goldfische leben. Der Garten ist zu unserem Zufluchtsort vor dem hektischen Stadtleben geworden.“

 

 

 

„Wenn ich nach Formen suche, muss ich eine positive Einstellung haben – ich kann also nicht kreativ werden, wenn ich kritisch gestimmt bin.“

 

Vor sieben Jahren zogen sie in dieses Haus, das einst als Holzwerkstatt diente. Das von seiner industriellen Vergangenheit geprägte Haus bietet dunklen Backstein, Stahlträger und Dachfenster, die den ganzen Tag über bezaubernde Sonnenstrahlen einlassen. Es war jedoch die Geräumigkeit der Zimmer, dank der Kethevane sich in diesen Ort verliebte. Das Herzstück des Hauses bildet das große Wohnzimmer, das gleichzeitig als Kethevanes Arbeitsbereich dient: „Der Mittelpunkt des Hauses ist der große offene Raum, den wir als Wohnzimmer nutzen – und wo sich früher all die schweren Maschinen befanden. Ich liebe es, hier zwischen gemütlichen Kissen zu sitzen und die sich im Wind wiegenden Bäume zu betrachten oder es mir mit einer Tasse Tee in meiner Lieblingsecke am Holzofen gemütlich zu machen. Die Atmosphäre hier ist ideal für das Familienleben und das Beisammensein mit Freunden, aber es ist auch ein Ort, an dem ich gerne arbeite, wenn es im Haus ruhig ist.“

 

 

Was die Einrichtung betrifft, bleibt Kethevane ihrer eigenen Ästhetik treu, und alles in ihrem Zuhause hat seinen Platz. Sie sagt, dass sie so Unordnung und das Risiko einer visuellen Überreizung verhindert. Und so wird jedes Objekt und jedes Möbelstück sorgfältig ausgewählt: „Ich achte bei den Einrichtungsgegenständen, die ich in mein Zuhause integriere, auf Zeitlosigkeit – selbst bei modernen Objekten. Auch die Beschaffenheit der Materialien ist für mich von entscheidender Bedeutung – es müssen taktile Elemente vorhanden sein, und ich freue mich immer über Unvollkommenheiten. Kleine Mängel sind ein Teil des Lebens und immer interessanter als das absolut Perfekte.

 

„Mein Budget für den Kauf von Kunst war nie groß, aber ich habe die Werke, die ich besitze, entweder mit anderen Künstlern getauscht oder von ihnen erworben. Meine Sammlung besteht aus Druckgrafiken, einigen Originalen, Keramikstücken und Arbeiten auf Papier. Die Art und Weise, wie ich sie in meinem Zuhause arrangiert habe, ist subjektiv; sie fühlen sich zusammen einfach richtig an, als ob sie miteinander im Gespräch wären.“

 

 

Auf die Frage, welche Bedeutung ein Zuhause für sie hat, lehnt sich Kethevane zurück und denkt in Ruhe nach, bevor sie antwortet. „Ein Zuhause ist für mich ein Ort, an dem ich Frieden und Ruhe finden kann. Aber es sollte auch ein Ort sein, an dem Freunde willkommen sind. Beides ist für meine Empfindung eines Zuhauses gleich wichtig. Mein Zuhause ist auch der Ort, an dem sich meine ständig erweiternde Kunstsammlung befindet. Mein Budget für den Kauf von Kunst war nie groß, aber ich habe die Werke, die ich besitze, entweder mit anderen Künstlern getauscht oder von ihnen erworben. Meine Sammlung besteht aus Druckgrafiken, einigen Originalen, Keramikstücken und Arbeiten auf Papier. Die Art und Weise, wie ich sie in meinem Zuhause arrangiert habe, ist subjektiv; sie fühlen sich zusammen einfach richtig an, als ob sie miteinander im Gespräch wären.“

 

Wenn man hier unter dem Pariser Himmel auf der Leinencouch sitzt und auf Kethevanes Zeichentisch und die vielen Kunstgegenstände blickt, ist man überwältigt von der kreativen Seele, die aus jeder Ecke strahlt. Es fühlt sich fast wie eine Fügung des Schicksals an, dass diese alte Holzwerkstatt zu ihrem Arbeitsplatz wurde – wo Holz- und Papierstücke als wunderschöne Kunstwerke zum Leben erweckt werden.